Raus aus dem Fokus SCHMERZ.
Zertifizierter Workshop Achtsamkeitsbasierte Entspannung in der Schmerztherapie für Kinder und Erwachsene
3 Tage · 32 Unterrichtseinheiten
Dieser Workshop richtet sich an Fachkräfte, Einrichtungen und interessierte Menschen, die chronische Schmerzpatienten begleiten, betreuen oder mit ihnen arbeiten und ihr Wissen um neue, achtsame Wege im Umgang mit Schmerz erweitern möchten.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie ein neuer, hilfreicher Umgang mit Schmerz entstehen kann – jenseits von reiner Symptombehandlung.
Die Teilnehmer lernen, wie sich der Aufmerksamkeitsfokus gezielt verändern lässt und welchen Einfluss dies auf die Wahrnehmung von Schmerz hat. Denn Schmerzen werden oft intensiver erlebt, wenn sie dauerhaft im Mittelpunkt stehen.
Im Workshop geht es darum, diesen Kreislauf zu verstehen und Wege kennenzulernen, wie Betroffene wieder mehr Abstand zum Schmerz entwickeln können.
Die Teilnehmer erleben die Methoden zunächst bei sich selbst – und entwickeln daraus ein tiefes Verständnis für ihre spätere Anwendung in der Arbeit mit Patienten.
Auf dieser Grundlage lernen sie, wie sich diese Ansätze sicher und wirkungsvoll in der Arbeit mit Schmerzpatienten anwenden lassen – sowohl mit Erwachsenen als auch mit Kindern.
Ein besonderer Fokus liegt darauf, den Unterschied zwischen Wahrnehmung und Bewertung von Schmerz verständlich zu machen. Ebenso wird vermittelt, wie Patienten erkennen können, was ihnen guttut, was entlastet und wie sie wieder mehr Einfluss auf ihr eigenes Erleben gewinnen.
Die Verbindung von Entspannungsverfahren, achtsamkeitsbasierten Methoden und inneren Bildern eröffnet dabei neue Möglichkeiten im Umgang mit chronischen Schmerzen.
AES – ein neuer Zugang in der Schmerztherapie
Ein weiterer zentraler Aspekt dieses Workshops ist der Umgang mit chronischen Schmerzpatienten, die häufig dauerhaft auf Schmerzmedikation angewiesen sind.
Langfristige Schmerzmittel können den Körper stark belasten und bringen oft zusätzliche Herausforderungen für den Organismus mit sich.
Genau hier setzt dieser Workshop an.
Sie lernen einen ergänzenden Ansatz kennen, der darauf ausgerichtet ist, Patienten dabei zu unterstützen, einen neuen Zugang zu ihrem Schmerz zu entwickeln und ihre Selbstregulation zu stärken.
Mit dem entwickelten Ansatz AES – Achtsamkeitsbasierte Entspannung in der Schmerztherapie – entsteht ein wirksames Werkzeug, das Betroffenen helfen kann, ihre Abhängigkeit von Schmerzmitteln zu reduzieren und neue Wege im Umgang mit ihrem Schmerz zu finden.
Dabei geht es nicht um Ersatz, sondern um Erweiterung – um einen ganzheitlichen Zugang, der Körper, Wahrnehmung und innere Prozesse miteinander verbindet.
Ein Zugang über Körperwahrnehmung, Atmung und innere Offenheit
Stellen wir uns für einen Moment einen Säugling vor, der vollkommen entspannt daliegt und natürlich und tief atmet. Bei jedem Atemzug bewegt sich sein ganzer Körper, sein Blick ist wach und sein Gesicht sowie seine Körperhaltung sind offen und unvoreingenommen.
Er begegnet seiner Umgebung mit einer natürlichen Offenheit und reagiert auf die Impulse, die er von innen und außen erhält.
Dieses Bild kann uns daran erinnern, über welche natürlichen Kompetenzen wir grundsätzlich verfügen: Atmung, Körperwahrnehmung, innere Offenheit und eine lebendige Verbindung zu uns selbst.
In diesem Workshop geht es darum, ein Bewusstsein für diese natürlichen Fähigkeiten zu schaffen, sich an sie zu erinnern und sie wiederzuentdecken. Sie bilden die Grundlage für ein gesundes Lern-, Entwicklungs- und Regenerationsumfeld in der therapeutischen Arbeit mit Entspannungsverfahren.
Das Prinzip der achtsamkeitsbasierten Verfahren
Der Grundgedanke achtsamkeitsbasierter Verfahren besteht darin, dass vieles von dem, was wir denken, fühlen und tun, unbewusst und automatisch abläuft.
Der therapeutische Weg besteht darin, automatisierte und ungünstige Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster sichtbar zu machen – nicht, um das Symptom mit Druck zu bekämpfen, sondern um den Umgang damit zu verändern.
Gerade bei Schmerz zeigt sich oft, dass sich Symptome verstärken, wenn wir sie unbedingt loswerden wollen. Achtsamkeitsbasierte Verfahren setzen deshalb nicht auf Kampf, sondern auf bewusstes Wahrnehmen, wohlwollende Akzeptanz und einen inneren Standpunkt von Ruhe und Gleichmut.
Übertragen auf den Alltag bedeutet das: Nicht das angespannte Wollen steht im Vordergrund, sondern das verstehende Wahrnehmen und das Annehmen dessen, was gerade da ist.
Das gilt für Schwierigkeiten beim Einschlafen, Juckreiz, Nervosität – ebenso wie für Schmerzen.
Ziel ist es, die innere Gegnerschaft gegenüber dem Symptom zu beenden und dadurch neue Wege aus dem Leiden zu eröffnen.
Alle achtsamkeitsbasierten Verfahren sind dabei:
- ressourcenorientiert statt defizitorientiert
- erfahrungsorientiert statt rein verständnisbasiert
Achtsamkeit bedeutet immer, sich auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren, ohne sofort verändernd eingreifen zu wollen.
Durch den Verzicht auf Bewertung und Analyse entsteht ein innerer Ruhepunkt. So wird aus passivem Erdulden wieder ein aktives Erleben und Annehmen.
Wenn das Bedürfnis nach Kontrolle dort losgelassen wird, wo es keinen hilfreichen Zugriff gibt, kann ein neuer Zustand von Balance entstehen. Auf diese Weise wird aus Schmerz nicht zwangsläufig Leid.
Inhalte des Workshops
1. Was ist Entspannung?
- Was ist Entspannung?
- Definition von Entspannung
- Anspannung und Entspannung
- Wie wirkt Entspannung auf die Psyche?
- Wie wirkt Entspannung auf den Körper?
- Positive Effekte von Entspannung
- Kinder und Entspannung
2. Ziele körperlicher Entspannungsverfahren in der Schmerztherapie
- Erlernen von selbstinitiierter und willkürlicher Entspannung in Belastungssituationen
- Aktive Kontrolle des physiologischen Aktivitätsniveaus zur Verringerung von Schmerzzuständen
- Aufbau von Selbstwirksamkeit und innerer Sicherheit
3. Einsatz in der Praxis: Für wen? Wann? Wie?
- Entspannung als fester Bestandteil etablierter Therapien bei chronischen Schmerzen
- Schmerzstörungen bei Kindern und Jugendlichen und die häufig damit verbundene ängstliche Körperaufmerksamkeit
- Warum Entspannung nicht auf Befehl funktioniert
- Motivation und Zugänge im Umgang mit Jugendlichen
4. Entspannung einführen
- Individuelle Herangehensweise: Was hilft welchem Patienten?
- Entspannung auch in anderen Lebensbereichen nutzbar machen
- Zusammenhang zwischen Stress, Muskelanspannung und Schmerz
- Der Teufelskreis aus Schmerz und körperlicher Anspannung
5. Entspannungstechniken – achtsamer Umgang mit dem Körper
- Sensorische Entspannung: Progressive Muskelentspannung
- Biofeedback und Bauchatmung
- Kognitive Entspannung: Autogenes Training und meditative Verfahren
- Imaginative Verfahren und Entspannungsgeschichten (Mini-Relaxation)
6. Achtsamkeitsbasierte Schmerztherapie (ABST)
- Die sechs Grundgedanken der ABST
- Die sieben Achtsamkeitsschritte
- Methoden und Folgen der sieben Aspekte therapeutischer Achtsamkeit
- Anwendung in der Praxis
7. Progressive Muskelrelaxation (PMR)
- Hintergrund
- Vorgehen
- Anwendung: „Kurzer Jakob“ mit vier Muskelgruppen
- Erklärung, Instruktion und bildhafte Begleitung
8. Welche Rolle spielt Entspannung bei Burnout, Depression, Migräne etc.?
9. Autogenes Training (AT)
- Hintergrund
- Vorgehen
- Anwendung und Übungen der Grundformeln
10. Imaginative Verfahren
- Hintergrund
- Vorgehen
- Anwendung: schmerzignorierend, schmerztransformierend, schmerzintegrierend
- Entspannungsgeschichten
- Der sichere Ort mit allen fünf Sinnen
- Mini-Relaxation
