Stadtgeschichten im Taschenformat
Der verschwundene letzte Satz

In dieser Buchhandlung geschah an einem Dienstag etwas höchst Merkwürdiges.
Punkt elf Uhr nieste das oberste Regal.
„Hatschi!“
Daraufhin purzelten aus allen Büchern die letzten Sätze heraus und flatterten wie kleine Papierstreifen durch den Laden.
Ein Krimi endete plötzlich mit:
„… und dann rührte sie noch zwei Eier unter.“
Das Backbuch behauptete dagegen:
„Der Täter war der Gärtner.“
Und in einem Liebesroman stand nur noch:
„Bitte umblättern.“
Danach kam nichts mehr.
Die Menschen im Laden begannen zu suchen. Sie krochen zwischen Regale, schauten unter Sessel und Sofas und fanden einen Satz sogar im Ärmel eines Herrn, der die ganze Zeit so tat, als hätte er überhaupt nichts bemerkt.
Fast alle Bücher bekamen ihr Ende zurück.
Nur ein einziger Satz blieb verschwunden.
Da setzte sich die Buchhändlerin in ihren großen Sessel, schlug ein grünes Buch auf und begann vorzulesen. Die Kinder rückten näher, eine Frau ließ sich mitten vor dem Regal auf den Boden sinken und selbst der Herr mit dem verdächtigen Ärmel hörte plötzlich ganz aufmerksam zu.
Als die Geschichte zu Ende war, herrschte für einen Moment völlige Stille.
Dann fiel aus dem Buch ein winzig zusammengerollter Zettel.
Darauf stand:
„Das schönste Ende ist manchmal der Anfang einer neuen Geschichte.“
Seit diesem Tag wartet an der Kasse eine kleine Überraschung für jeden, der diese Geschichte liest oder hört.
